Neulich saß ich mit einer Gruppe von Menschen zusammen. Nichts Besonderes eigentlich. Kein großes Programm. Keine spektakulären Erkenntnisse. Niemand hatte einen PowerPoint-Vortrag vorbereitet. Zum Glück.
Und trotzdem passierte etwas, das mich immer wieder berührt. Irgendwann wurde es ruhiger. Menschen hörten auf, sich zu erklären. Hörten auf, besonders klug, besonders reflektiert oder besonders stark wirken zu müssen. Und plötzlich war etwas im Raum, das sich schwer beschreiben lässt. Mehr Echtheit. Mehr Weichheit. Mehr Mensch.
Ich erlebe solche Momente immer wieder. Und jedes Mal denke ich: Eigentlich sehnen wir uns genau danach.
Wir können heute fast alles
Wir können Nachrichten in Sekunden um die Welt schicken. Wir können per App Essen bestellen, Urlaube buchen und unseren Puls überwachen. Manchmal sogar gleichzeitig.
Aber ich frage mich immer öfter: Sind wir wirklich gut darin geworden, einander zu begegnen? Nicht zu informieren. Nicht zu überzeugen. Nicht zu beeindrucken. Sondern einfach zu begegnen.
Funktionieren können viele von uns ziemlich gut
Ich übrigens auch. Wenn ich zurückblicke, gab es Phasen in meinem Leben, da hätte ich vermutlich einen Pokal fürs Funktionieren verdient.
Von außen betrachtet lief alles. Von innen war ich oft einfach beschäftigt damit, alles möglichst gut hinzubekommen.
Und ich glaube, damit bin ich nicht allein. Viele Menschen haben gelernt, sich anzupassen. Sich zusammenzureißen. Weiterzumachen. Nicht unbedingt, weil sie das wollten. Sondern weil es irgendwann sinnvoll war.
Nur gibt es einen Haken: Wenn wir lange genug funktionieren, verlieren wir manchmal den Kontakt zu dem, was wir eigentlich fühlen.
Warum Räume so wichtig sind
Vielleicht deshalb liebe ich Räume so sehr. Nicht Räume mit Wänden. Sondern Räume zwischen Menschen.
Räume, in denen niemand besonders sein muss. Niemand die richtige Antwort kennen muss. Niemand sich optimieren muss. Räume, in denen ein Satz wie „Ich weiß gerade gar nicht, was los ist.“ genauso willkommen ist wie „Heute geht es mir richtig gut.“
Das klingt vielleicht unspektakulär. Ist es aber nicht. Für viele Menschen ist das inzwischen ungewohnt.
Hunde verstehen das erstaunlich gut
Hunde haben eine ziemlich direkte Art, mit solchen Räumen umzugehen.
Sie fragen selten: „Und was hast du heute Produktives gemacht?“
Sie interessieren sich erstaunlich wenig für Selbstoptimierung. Und ziemlich viel dafür, wie sich etwas anfühlt. Ob ein Mensch präsent ist. Ob Spannung im Raum ist. Ob Verbindung da ist.
Manchmal denke ich, wir könnten uns davon eine Scheibe abschneiden.
Vielleicht beginnt Sicherheit genau dort
Wir sprechen oft darüber, wie Menschen mehr innere Sicherheit finden können. Und natürlich gibt es viele Wege.
Aber ich glaube, ein großer Teil davon entsteht in Begegnung. Dort, wo wir erleben: Ich muss gerade nichts darstellen. Ich muss nichts leisten.
Ich muss nicht einmal besonders interessant sein. Ich darf einfach da sein.
Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Räume wie das ehrliche Mitteilen mich so berühren. Nicht, weil dort Lösungen verteilt werden. Sondern weil Menschen für einen Moment erleben können, wie es sich anfühlt, nicht funktionieren zu müssen.
Ich denke, genau davon brauchen wir mehr. Nicht noch mehr Optimierung. Nicht noch mehr Selbstkontrolle. Nicht noch mehr Druck.
Sondern mehr Orte, an denen wir neugierig werden dürfen. Auf uns selbst. Auf andere. Auf das, was entsteht, wenn niemand versucht, perfekt zu sein.
Echte Begegnung verändert Menschen oft mehr als gute Ratschläge. Und ehrlich gesagt: Darauf setze ich große Hoffnung.
